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„Jede Frau freut sich über so einen Stein“

Die Schmuckmode verändert sich und Imitate werden immer besser – aber was bedeutet das für den Wert von Edelsteinen? Wir haben bei Professor Leopold Rössler nachgefragt, dem Präsidenten der Österreichischen Gemmologischen Gesellschaft.

VON markus deisenberger

WERT&SCHÖN

Inwiefern hat sich der Edelsteinmarkt durch Imitate verändert?

Heute lässt sich synthetisch alles imitieren — von wertlos bis Bril- lant. Aber ein synthetischer Smaragd kann nie den Wert eines na- türlichen erzielen. Ein natürlicher kann im Karat von 1.000 Dol- lar aufwärts kosten, ein synthetischer nur wenige Hundert Dollar. Beim Rubin und Saphir ist das ähnlich.


Haben synthetische Steine dennoch den Marktpreis echter Steine gesenkt?

Ja, aber der heutige Schmuck ist auch mit dem klassischen nicht mehr vergleichbar. Ein Collier trägt heute kaum noch jemand. Auch Perlen und Korallen haben nicht mehr die Bedeutung von früher. Eine Lapislazuli-Kette kann eine Dame schon schlagartig verändern. Aber solch eine Kette kann man nicht zu jeder Zeit und jedem Anlass tragen. Und auch damit eine Perlenkette wirkt, braucht es entsprechende Kleidung ...


Hat die Bedeutung von Schmuck generell abgenommen?

Als ich in Ausbildung war, wurden noch eigens für den Opernball Schmuckstücke angefertigt. Das gibt es heute kaum noch. Wer 2.000 Euro netto verdient, kann sich echten Schmuck kaum noch leisten — er reist in die Türkei oder nach Südafrika, statt Geld für teuren Schmuck auszugeben. Außerdem wird auch dort Schmuck angeboten, und im Urlaub sitzt das Geld bekanntlich lockerer.


Eignen sich Edelsteine noch als Wertanlage?

Wenn, dann nur große Steine ab fünf Karat und in bester Quali- tät. Bei Diamant, Rubin, Saphir, Smaragd, Alexandrit und so wei- ter kann schon eine Wertsteigerung drin sein — das Problem aber ist der Verkauf. Der Markt ist gesättigt. Deshalb muss man Neues verkaufen. Vielleicht einen Alexandrit, der teurer sein kann als ein Diamant, oder einen besonders großen Rubin? Aber auch da müssen Sie erst jemanden finden, der etwas Derartiges kauft, aus Liebe zum Stein.


Was lässt sich denn am einfachsten veräußern?

Der farblose Diamant ist der Stein, der sich am besten verkaufen lässt. Ein schlichter Einkaräter als Solitär lässt sich immer tragen. Jede Frau freut sich über so einen Stein.


Wann brauche ich ein Schätzgutachten — zum Beispiel von Ihnen?

Wenn Sie Schmuck veräußern wollen, aber auch für Versiche- rungszwecke. Spätestens wenn bei Ihnen zu Hause eingebrochen wurde und Schmuck fehlt, ist das viel wert. Dann müssen Sie der Versicherung einen Nachweis darüber erbringen, was im Safe drin war. Auch bei einer Verlassenschaft, wenn das Erbe aufge- teilt wird, geht es kaum ohne Gutachten.

Leopold Rössler (Jahrgang 1942) ist begeisterter Gemmologe. „Es gibt keinen vergleichbaren Beruf“, sagt er. „Du hast die Chance, mit den schönsten und teuersten Edelsteinen zu arbeiten, deine Idee mit der des Kunden zu verschmelzen – und das für einen Dritten, den Beschenkten.“

„Heute lässt sich synthetisch alles imitieren — von wertlos bis Brillant.“

Leopold Rössler

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 3/2019 der perspektiven erschienen.