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© Österreichische Nationalbibliothek/Pichler

Globen und Co. werden zunehmend als Spekulationsobjekte entdeckt, gewinnbringende Geschäfte sind aber keineswegs sicher.

„Globale“ Investments

Historische wissenschaftliche Instrumente wie Globen oder Sextanten werden immer öfter auch als Geldanlage gehandelt. Doch Vorsicht: Es ist nicht alles Gold, was einst glänzte.

Von Gini Brenner

WERT & SCHÖN

Die Räumlichkeiten sind großzügig, aber nur indirekt beleuchtet — ein wenig, als wäre man unter Wasser. Die vielen unterschied- lich großen, bunten Sphären verstärken den unwirklichen Cha- rakter. Das Wiener Globenmuseum in der Herrengasse ist ein spe- zieller Ort. Hier sind über 250 historische Weltkugeln ausgestellt, vom bedruckten Papiermaché-Ball bis zum feinst gearbeiteten Kunstwerk aus verschiedenen Edelmetallen. Und hier gibt es ei- nen eigenen Raum, in dem private österreichische Globen-Samm- ler ihre Schätze präsentieren.


„Es gibt eine kleine, aber sehr gut vernetzte internationale Szene von Globen-Sammlern“, erklärt Jan Mokre, der Direktor des Mu- seums. Kenner, die für die Objekte ihrer Leidenschaft durchaus auch fünf- bis sechsstellige Summen ausgeben. Es ist allerdings äußerst schwierig, den Globen einen tatsächlichen, konkreten Marktwert zuzuschreiben: „Hier dreht es sich vor allem um Ange- bot und Nachfrage“, meint Mokre.


Auf der Suche nach Sachwerten. Nachfrage scheint es immer mehr zu geben. Ob Globen oder historische Karten und Pläne, ob nauti- sche Instrumente oder medizinische Modelle: Das Interesse an alten wissenschaftlichen Werkzeugen wächst. Längst sind es nicht mehr nur wissenschaftlich interessierte Sammler oder Nostalgi- ker, die sich an antiken Sextanten, Kompassen oder Wasserwaa- gen erfreuen. Die Gerätschaften werden auch zunehmend als Spekulationsobjekte entdeckt. Sachwerte als Anlageformen sind derzeit „hip“ — es gibt scheinbar unendliche Möglichkeiten für lu- krative Neuentdeckungen.


Schwer zu verkaufen. Aber Vorsicht: Nicht alles, was Patina hat, ist wertvoll, und nicht in jedem als „Sensationsfund“ angepriesenen Objekt steckt ein Schatz. Wirklich hochwertige Stücke sind äu- ßerst rar — und finanziell potente Kaufinteressenten meist noch seltener. Mokre: „Es bestimmen mehrere Komponenten den Wert eines Objekts: Alter, Erhaltungszustand, Qualität der Machart und natürlich das Material. Aber das schönste Stück nützt mir nichts, wenn ich es verkaufen will und niemand da ist, der es für meinen Preis haben will.“


Wie bei allen Sammlerobjekten gilt also auch hier: Zur Anlage eig- nen sie sich nur für jene, die darin mehr sehen als nur ein hüb- sches Sparschwein — für alle anderen gibt es bessere „globale“ Anlagemöglichkeiten. Denn eines ist sicher, so Mokre: „Wenn man keine Leidenschaft dafür hat, dann wird sich das Kaufen und Sammeln dieser Stücke nicht wirklich auszahlen.“ Zumindest die Bewunderung anderer Sammlerinnen und Sammler ist einem dann sicher — vielleicht sogar im Museum.

„Bei Globen dreht es sich vor allem um Angebot und Nachfrage.“

JAN MOKRE, Leiter des Globenmuseums

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 1/2020 der perspektiven erschienen.