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Wo nicht nur der Spinat grün ist

Bio-Qualität aus der Region und ein neues Bestellsystem, mit dem sich Abfall weitgehend vermeiden lässt: Das Familienunternehmen Max Catering aus Wien-Oberlaa lebt Nachhaltigkeit. Und hat einen Cremespinat, den auch Kinder lieben.

von Martha Miklin

Keine Angst vor Vitaminen: Wenn’s gut zubereitet ist, schmeckt der jungen Kundschaft auch das Gemüse.

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„Wenn es nach den Kindern ginge, dann gäbe es nur Schnitzel, Pizza und Lasagne“, sagt Markus Lahmer mit einem Schmunzeln. Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der Max Catering GmbH. Diese beliefert nicht nur Events jeglicher Größenordnung, son- dern unter anderem auch private Schulen und Kindergärten. Die Lahmers beschäftigen dazu in ihrem Familienunternehmen, das Markus’ Vater Franz 1989 gegründet hat, mittlerweile über hun- dert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bieten ausgewogene, gesunde, täglich frisch zubereitete Küche für Kinder, und eben nicht nur Schnitzel & Co. Die Menüpläne stellen drei Ernährungs- wissenschaftlerinnen, der Küchenchef — ein Haubenkoch — und ein paar Mitarbeiterinnen mit Ausgabeerfahrung in einem auf- wendigen Prozess zusammen. Letztere wüssten nämlich immer noch am besten, was die Kinder gerne essen. Und das sind durch- aus gesunde, nahrhafte Speisen wie zum Beispiel die Kürbis- cremesuppe, die als Halloweensuppe gleich drei Mal besser schmeckt.


Regional, saisonal, bio. Halloweensuppe steht allerdings nicht das ganze Jahr über am Speiseplan: Bei der Auswahl der Lebensmittel wird besonderer Wert auf Saisonalität und Regionalität gelegt. Und auf Bio-Qualität: Der Anteil an Bioprodukten liegt derzeit bei mindestens 50 Prozent. „Der Papa hat immer den Standpunkt vertreten: Über den Preis zu verkaufen ist einfach, aber eine gute Qualität bewährt sich am längsten.“ Um Gerichte gleichbleiben- der Qualität auf die Teller bringen zu können, greifen die Lah- mers auf ihr kleines, aber feines Netzwerk an ausgewählten Pro- duzenten und Lieferanten zurück. Mit den meisten pflegen sie schon seit vielen Jahren beste Geschäftsbeziehungen.


Bei einem Blick auf die Belegschaft von Max Catering zeigt sich, dass nicht nur ökologisch, sondern auch sozial ausgesprochen nachhaltig agiert wird. „Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind da, seit mein Vater die Firma gegründet hat — die kannten mich schon als Kind“, berichtet der Chef. „Und wir haben auch Flüchtlinge und Gehörlose im Team und bilden Lehrlinge aus.“ Inklusion und Diversität waren für die Lahmers immer schon normal. All diese Bemühungen in Nachhaltigkeit haben dem Un- ternehmen diverse Gütesiegel, ISO-Zertifikate und Auszeichnun- gen eingebracht — von der Austria Bio Garantie über das Fairtra- de-Siegel bis zum Österreichischen Umweltzeichen.


Nur mehr halb so viele „Restln“. Auch der schonende Umgang mit Ressourcen ist ein Dauerbrenner-Thema im Hause Lahmer. Ein Meilenstein in der Abfallvermeidung ist das neue Online-Bestell- system, das seit 2018 in Betrieb ist. Damit kann auf die individuel- len Bedürfnisse der jeweiligen Standorte konkret eingegangen werden. So können private Schulen, Kindergärten und Firmen ab zehn Beschäftigten — denn auch diese gehören zur Kundschaft — online ihre Extrawünsche äußern. Zuvor geschah das über Tele- fon, Fax oder E-Mail — mit hoher Fehlerquote. Extrawünsche gebe es nicht selten: „Die Leute wollen zum Beispiel weniger Cremesuppen oder nur die Hälfte vom berechneten Sauerkraut, dafür wiederum mehr Nudeln oder Salat“, erklärt Markus Lah- mer und führt weiter aus: „Jeder Standort hat seine Eigenheiten. Wir wollen nichts kochen, verpacken und transportieren, von dem der Kunde weiß, dass er es nicht braucht.“ Das System hat Erfolg, der sich in Zahlen niederschlägt: Bis zu 50 Prozent weni- ger Lebensmittel-Abfälle pro Jahr. Auch die Kooperation mit den Sozialmärkten (SOMA) geht in eine ähnliche Richtung: Die Über- produktion wird täglich kostenlos an die Märkte geliefert.


Um auf Zeitgeist-Bedürfnisse einzugehen, bietet Max Catering ins- gesamt zehn Menülinien an — darunter auch gluten- und laktose- freie Optionen. Besonders wichtig ist dem Familienunternehmen der Gesundheitsaspekt — vor allem bei den Kleinen. „Wir haben eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Unsere Arbeit leistet ei- nen Beitrag dafür, dass die Kinder groß und stark werden.“ Apro- pos groß und stark: Man glaubt es kaum, aber „die Kinder lieben unseren Cremespinat, der ist der absolute Renner“. Das Geheim- nis? „Die Liebe, mit der wir arbeiten.“

„Wir wollen nichts kochen, von dem der Kunde weiß, dass er es nicht braucht.“

Markus Lahmer

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 3/2019 der perspektiven erschienen.

Im Familienbetrieb der Lahmers sind mittlerweile mehr als hundert Mitarbeiter beschäftigt.

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