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© Lukas Bezila

Eine Million summende Kolleginnen

Im Mai zogen 20 Bienenvölker aufs Dach der Bank Austria Unternehmenszentrale am Austria Campus. Seitdem produzieren sie emsig flüssiges Gold – für Firmengeschenke mit echtem Mehrwert.

VON SILKE RUPRECHTSBERGER

Normalerweise machen sich Kollegen, die bei der Arbeit vor sich hinsummen, ja nicht gerade beliebt. Bei diesen hier gehört das aller- dings sogar zur Job Description: Die Honigbienen am Dach des Bank Austria Campus in Wien-Leopoldstadt sorgen in den umliegenden Gebieten vom Prater und dem Augarten bis zum ehemaligen Nord- bahnhof-Gelände für eine hohe „Umweltrentabilität“: Denn die unscheinbaren, vielfach bedrohten Tiere leisten mit ihrer Bestäu- bungsarbeit einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Pflanzenwelt.


Wertvolle Ernte. Bei dem Projekt arbeitete die Bank Austria von Anfang an mit dem Wiener Bienenzentrum zusammen. Als Imkerei und Bildungszentrum vereint das „BIEZEN“ mehrere Imker und Umweltpädagogen. Marian Aschenbrenner, der Inhaber des Bienenzentrums, kümmert sich auch weiterhin um die „Bank Austria Bienen“, versorgt sie beispielsweise mit Wasser.


Rund 500 Kilogramm Biohonig soll künftig die jährliche Produktion betragen. Im „Jahr eins“ wird etwa die Hälfte an Ertrag erwartet. „Die vielen Regentage im Mai und Juni waren für die Honiggewin- nung ganz und gar nicht optimal, außerdem mussten sich unsere Bienen in der Hauptproduktionszeit erst einmal orientieren“, erklärt dazu Christian Kontny, der das Projekt seitens der Bank Austria betreut: „Seit mir das Thema zugewachsen ist, habe ich selbst viel mehr Freude am Honig gefunden und schaue auch viel genauer in die Geschäftsregale.“ Gegen Ende des Sommers konnte er ge- meinsam mit etlichen Kollegen und dem Management bei der „Urernte“ den besonderen, milden Geschmack des Lindenblüten- honigs made by Bank Austria erstmals selbst erleben.


Geschenke aus der Natur. Natürlich wird ein Teil der Honigernte auch unter den Mitarbeitern der Bank Austria verlost, die nicht am Austria Campus arbeiten. Viele der Kollegen leben mit dem Projekt mit, einige haben sogar schon gefragt, ob man den Honig kaufen kann. Künftig soll das flüssige Gold unter dem Namen „Himmelhoch“ als besonderes Weihnachtsgeschenk dienen. Ebenso wird es eine Probierglas-Edition geben, die neuen Mitar- beitern im Unternehmen den Start versüßen soll.


Unbeabsichtigter Aufreger. Anfangs verlief das Projekt übrigens nicht immer so wie geplant. Wenn man die Natur in die Stadt holt, kann das schon mal für eine Überraschung sorgen: Weil die durchschnittliche Lebenserwartung einer Honigbiene etwa 40 Tage beträgt, sind bei einer Population von einer Million Tieren Todes- fälle an der Tagesordnung. „Dass wir plötzlich tote Insekten vor der Haustüre hatten, rief einige besorgte Nachbarn auf den Plan“, so Kontny. Imker Marian Aschenbrenner konnte mit einer ent- sprechenden Aufklärung freilich schnell beruhigen. Aus Sicher- heitsgründen — Stichwort Bienenallergiker — wurden die Bienenstöcke zudem nicht, wie ursprünglich geplant, im Innen- hof, sondern auf der Terrasse im siebten Stock aufgestellt.


Nachwuchs-Pläne. Zwei weitere Bienenvölker werden schon bald auf dem Areal des UniCredit Centers Am Kaiserwasser ihren Dienst antreten. Ab Frühling 2021 sind dort umweltpädagogische Workshops für Schulklassen geplant. Dabei wird es um die Honigproduktion genauso gehen wie um Aufklärung in Sachen Bienensterben und Erhalt der Artenvielfalt.


„Das Unternehmen setzt in Zusammenarbeit mit dem Museum für Wirtschaftsgeschichte schon seit Langem auf Bildungsarbeit, um etwa das Finanzwissen und den verantwortungsvollen Umgang von Schülern mit Geld zu stärken“, sagt Kontny. Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Konsum haben hier bei der Vermittlung immer schon eine wichtige Rolle gespielt und erhalten nun mit den Bienenworkshops eine weitere, lebendige Facette.

Imker Marian Aschenbrenner betreut die „Bank Austria Bienen“.



„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Albert Einstein, 1949

Die Honigproduktion am Dach ist in vollem Gange.


Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2020 der perspektiven erschienen.