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Der mühsame und

unsichere Weg zurück


Einem extremen Einbruch folgte eine starke Erholung, aber der weitere Weg wird schwieriger.

Von Stefan Bruckbauer, Chef-Volkswirt der UniCredit Bank Austria

Monitor

Die Weltwirtschaft kommt voraussichtlich 2020 mit einem drei- bis vierprozentigen Einbruch etwas „glimpflicher“ davon, als noch zu Beginn des Sommers erwartet wurde. Auch die prognos- tizierte Erholung von fünf bis sechs Prozent Wachstum für 2021 erscheint sehr optimistisch, doch sie erfolgt in vielen Teilen der Welt nicht so dynamisch. Vor allem die Entwicklung in China lässt die Erholung V-förmig erscheinen, in Europa und vielen anderen Industrieländern wird jedoch das Niveau von 2019 auch im nächsten Jahr noch nicht erreicht werden. Dies gilt auch für Österreich, wo nach einem Minus von knapp über sechs Prozent 2020 und einem Anstieg von rund fünf Prozent 2021 das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität auch Ende 2021 noch nicht „normal“ erreicht haben dürfte. Auch wenn wir zu Beginn des Herbsts sehr starke Wachstumsraten — vom tiefen Niveau des zweiten Quartals — haben werden, viele Industrien bleiben erkennbar unter ihrem Vorkrisenniveau und erst recht unter ihrem Potenzial. Auch die österreichische Wirtschaft, die zwar Anfang 2022 das Vorkrisen- niveau erreicht haben könnte, wird ihr Potenzial wahrscheinlich auch in drei bis vier Jahren noch immer nicht erreichen.


Wirtschaftspolitik gefordert oder überfordert? Je größer die Lücke zwischen potenzieller Wirtschaftskraft und tatsächlicher Nachfrage ist und je länger sie besteht, umso mehr werden Investitionspläne nach unten angepasst und auch Arbeitsplätze reduziert. Es ist daher Aufgabe der Wirtschaftspolitik, nach den Nothilfen des Jahres 2020 in Richtung Wachstumsunterstützung zu gehen. Es muss ein klarer Wille erkennbar sein, dass man alles daran setzt, die Wirtschaft wieder in Richtung Potenzial zu bringen. Und dies kann nicht nur Aufgabe der Geldpolitik sein, die bereits Enormes leistet und damit natürlich immer weniger effektiv wird, besonders angesichts des erreichten Nullzinsniveaus. Allerdings kann sie natürlich die Fiskalpolitik unterstützen, indem sie die Finanzierung der Defizite erleichtert. Dies alles ist natürlich nicht „Business as usual“ und birgt auch Gefahren. Aber eine Wirtschaft, die jahrelang unter Potenzial agiert, ist gefährlicher für den gesell- schaftlichen Zusammenhalt.


Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2020 der perspektiven erschienen.