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Die Weltwirtschaft in der schwersten Rezession seit 1946

Der notwendige Teilstillstand der Weltwirtschaft fordert seinen Preis – doch schon 2021 könnte es wieder steil aufwärts gehen.

Von Stefan Bruckbauer

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Von Stefan Bruckbauer, Chef-Volkswirt der UniCredit Bank Austria

In Österreich ist seit Anfang Mai eine deutliche Erleichterung der Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus erkennbar, und dementsprechend haben sich auch die wirtschaft- lichen Aktivitäten erhöht. In anderen Ländern, darunter auch viele wichtige Handelspartner Österreichs, ist die Situation bei Weitem noch nicht so günstig. Aber auch in Österreich gibt es vie- le Bereiche, die noch weit weg von den Aktivitätsniveaus von 2019 sind. Wir erwarten daher auch eine um rund fünfzehn Pro- zent gesunkene Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal 2020. Und trotz erwarteter Erholung im zweiten Halbjahr, das Volksein- kommen wird in Österreich im Durchschnitt von 2020 fast zehn Prozent tiefer sein als noch 2019. Und dabei dürfte Österreich noch zu jenen Ländern zählen, die weniger stark betroffen sind.


Wie geht es weiter? Angesichts der globalen Betroffenheit, der un- terschiedlichen Reaktionen und Entwicklungen in einzelnen Län- dern und der starken Abhängigkeit von der medizinischen Ent- wicklung (Stichwort Impfung) sind Prognosen so unsicher wie selten zuvor. Aber aus heutiger Sicht können wir davon ausgehen, dass 2021 in vielen Ländern der Welt wohl das stärkste Wachstum in deren jüngerer Geschichte bringen wird. Gleichzeitig müssen wir aber auch damit rechnen, dass die meisten Länder erst 2022 oder später wieder die wirtschaftliche Leistung von 2019 errei- chen werden, geschweige denn das verlorene Wachstum aufho- len können. Es ist daher die Wirtschaftspolitik gefordert, sowohl Fiskal- als auch Geldpolitik, den „Neustart“ nach der Krise so in- telligent und kraftvoll zu unterstützen, wie es nur geht. Dies wird klarerweise die Verschuldung aller nach oben treiben, aber die Geschichte lehrt: Die Alternative dazu ist Stagnation für lange Zeit, mit negativen Folgen für alle. Die weltweiten Aktienmärkte haben jedenfalls enormes Vertrauen, dass der Neustart gut ge- lingt. Jetzt muss nur die „Realwirtschaft“ dies auch bestätigen.



Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 1/2020 der perspektiven erschienen.

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