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Tausendsassa

Versicherung

Risiken abzusichern ist nicht der einzige Nutzen von

Versicherungen.

© Shutterstock/Hyejin Kang

Kapitalbildende Versicherungen leiden unter ihrem schlechten Ruf – dabei können sie in vielen Lebenslagen und auch mit Blick auf die Vermögensweitergabe ausgesprochen attraktiv sein.

Von Norbert Prenner

Expertise

Wer heute eine Lebensversicherung zur Geldanlage vorschlägt, erntet oft einen schiefen Blick. Verständlich, manch einer hat in der Vergangenheit eine schlechte Erfahrung damit gemacht. Al- lerdings sind die Konditionen mittlerweile sehr transparent, und es lohnt sich durchaus, einen Blick auf die großen Gestaltungs- möglichkeiten und steuerlichen Vorteile von kapitalbildenden Versicherungen zu werfen. Zu diesen zählen neben klassischen Er- und Ablebensversicherungen auch fondsgebundene Lebens- versicherungen und Rentenversicherungen.


Drei Rollen in der Versicherung. Um die vielfältigen Möglichkeiten zu verstehen, muss man die drei Rollen eines Versicherungsvertrags kennen. Der Versicherungsnehmer ist der Eigentümer des Ver- trags mit allen Rechten und Pflichten. Von der versicherten Per- son — das kann auch jemand anderer sein — hängt ab, wann der Versicherungsfall eintritt. Und die bezugsberechtigte Person — das kann wieder jemand anderer sein — erhält die Leistung bei Eintritt des Risikoereignisses (also bei einer Lebensversicherung im Todesfall der versicherten Person) ausbezahlt.


Praktisch für die Vermögensweitergabe. Dieses „namentliche Bezugs- recht“ ist bei der Vermögensweitergabe ausgesprochen praktisch: Die Auszahlung fällt nämlich nicht in die Verlassenschaft. Inner- halb weniger Tage haben die Angehörigen so Zugriff auf das Geld. Der Versicherungsnehmer kann aber bei Abschluss auch bewusst dafür sorgen, dass seine Erben nicht sofort über das gesamte Ver- mögen verfügen können, sondern zum Beispiel eine monatliche Rente erhalten. Dazu ist es notwendig, als versicherte Person nicht sich selbst, sondern bereits die Tochter oder das Enkerl ein- zusetzen, sodass beim Todesfall des Versicherungsnehmers der Vertrag auf einen Erben übergeht und das Geld erst später fließt.


Einzige Einschränkung: Die Pflichtteilsquoten einer Erbschaft kann man auf diesem Weg nicht umgehen. Versicherungsverträge sollten also unbedingt berücksichtigt werden, wenn man ein Tes- tament erstellt — auch um festzulegen, wer gegebenenfalls der neue Versicherungsnehmer werden soll.


Versicherung gegen das Altwerden. Mit einer Rentenversicherung kann man zudem einen Fall abdecken, für den es kaum eine an- dere Lösung gibt: Die Versicherung übernimmt das sogenannte Langlebigkeitsrisiko. Man sorgt also nicht für ein frühes Ableben vor, sondern sichert sich dagegen ab, dass irgendwann im hohen Alter das Vermögen aufgebraucht ist.


Wer Angst hat, dass das ein ausgesprochen negatives Geschäft ist, wenn man bald nach Pensionsantritt verstirbt, dem kann man entgegnen, dass es auch die Möglichkeit gibt, einen Rentengaran- tiezeitraum festzulegen. Dann fließt die Rente bei einem frühen Ableben eine bestimmte Zeit lang an die Erben weiter.


Steuerliche Vorteile. Ein großer Vorteil von Versicherungen ist na- türlich die Besteuerung: Man zahlt einmalig 4 Prozent Versiche- rungssteuer, aber in weiterer Folge keine Kapital-ertragsteuer auf laufende Erträge oder den Vermögenszuwachs. Bei fondsgebun- denen Lebensversicherungen gegen Einmalerlag sollte daher je- denfalls mit einem langen Anlagehorizont kalkuliert werden. Bei dynamischer Veranlagung mit einer Versicherung kann man aber eventuell auch schon deutlich besser aussteigen als mit einem di- rekten Investment in Aktienfonds, wenn man sich auf den steuer- lich vorgegebenen Anlagehorizont beschränkt. Je nach Alter des Versicherungsnehmers und der versicherten Person gilt nämlich eine Behaltefrist von mindestens 10 bzw. 15 Jahren für die attrakti- ve steuerliche Behandlung.


Innerhalb der steuerlichen Frist ist eine Versicherung aber durch- aus flexibel: Man kann den Einzahlungsbetrag verdoppeln, ohne dass die Frist neu zu laufen beginnt, oder maximal ein Viertel der einbezahlten Prämien vorzeitig wieder herausnehmen. Möchte man mehr Geld herauslösen, ist Versicherungssteuer nachzuzah- len und auch der Wertzuwachs zu versteuern. Was auch oft über- sehen wird: Wenn Sie über eine Versicherung laufend ansparen, zum Beispiel für die Eigenvorsorge, sollten Sie spätestens fünf Jahre vor der Fälligkeit die Prämienzahlung einstellen — denn Sie würden dann weiterhin Versicherungssteuer zahlen, die in dem kurzen Zeitraum bis zur Fälligkeit erst wieder erwirtschaftet wer- den muss.


Kein Allheilmittel. Zwei kleine Ratschläge möchte ich Ihnen zum Abschluss noch mitgeben. Erstens: Die Gebühren fallen vor allem zu Beginn der Vertragslaufzeit an, was sich bei eher kurzen Lauf- zeiten deutlich niederschlägt. Je länger Sie auf das Geld sicher verzichten können, umso interessanter werden Versicherungen. Und zweitens: Stecken Sie nicht alles Hab und Gut in eine Versi- cherung. Wie immer gilt es, das Vermögen sinnvoll auf verschiedene Vermögensklassen aufzuteilen.

Norbert Prenner ist Head of Wealth Planning der Bank Austria.

„Je länger die Veranlagungsdauer, umso interessanter werden Versicherungen.“

Norbert Prenner

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 3/2019 der perspektiven erschienen.

Mit einer fondsgebundenen Versicherung steigt man manchmal besser aus als mit einem direkten Investment in Aktienfonds.

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PRAKTISCH

Reinhard Rechenberger möchte, dass seine Liebs- ten nicht plötzlich mit leeren Händen dastehen, falls ihm etwas zustößt.


„Die Mutter eines Arbeitskollegen ist vor über zwei Jahren verstorben, aber bis heute hat er keinen Cent aus dem eigentlich stattlichen Erbe gesehen. Im Ge- genteil, er hat auch noch die Begräbniskosten über- nommen. Nun bin ich zwar sicher, dass sich meine Liebsten besser miteinander verstehen als mein Ar- beitskollege mit seiner Schwester – aber ein paar Mo- nate sind bei so einem Verfahren auch ohne Streitig- keiten schnell um. Darum habe ich eine Lebensversi- cherung abgeschlossen, die sicherstellt, dass meine Frau im Fall des Falles alle einmaligen und laufenden Ausgaben decken kann und sich nicht mit gesperrten Konten oder Ähnlichem herumschlagen muss.“

Sebastian Sinnesfreud kennt die Versuchungen des Lebens – und möchte seinen Sohn ein wenig davor schützen.


„Zum Glück habe ich nicht jung geerbt – wenn ich daran zurückdenke, wie oft ich mit leeren Taschen da- stand, obwohl sie kurz davor noch gut gefüllt waren. Heute gehe ich etwas verantwortungsvoller mit Geld um. Aber fragen Sie lieber nicht, was ich letztens für ein paar Flaschen guten Rotweins gezahlt habe! Je- denfalls möchte ich meinen Sohn, der kommt da ganz nach mir, davor schützen, dass er alles verjuxt, was ich ihm einmal vererben werde, und irgendwann komplett pleite dasteht. Deshalb habe ich eine Versi- cherung abgeschlossen, die ihm eine monatliche Zahlung garantiert – und habe eine Sorge weniger.“

Marianne Mach hat einige Methusalems in der Ver- wandtschaft, aber für ein langes Leben vorgesorgt.


„In der Familie meiner Mutter gibt es anscheinend ein Gen, das langes Leben beschert. Mein Großonkel wurde 101 Jahre alt, meine Großmutter sogar 104 – und meine Mama selbst ist auch schon 94 und noch gut in Schuss. Jetzt ist es zwar auf der einen Seite schön, ein langes Leben zu haben, solange man dabei gesund ist; aber natürlich muss man sich auch Ge- danken darüber machen, wovon man im Alter lebt. Ich möchte ja nicht meinen Kindern finanziell zur Last fallen. Allzu riskant will ich mein Vermögen auch nicht anlegen, also müsste ich von der Substanz zeh- ren, und die wäre irgendwann weg. Aber ich habe die passende Lösung gefunden: eine Rentenversicherung. Da kann ich auch 120 werden – wobei ich nicht glau- be, dass ich das möchte.“

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