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Der Wang 700 ist wieder über tausend Euro wert – aber nur einen Bruchteil des Originalpreises.

„Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich Computersammler bin“

Alte Rechner als Anlageobjekt? Denkbar ungeeignet, meint Boris Jakubaschk, der ein virtuelles Computermuseum betreibt. Wenn ein Computer schon Jahrzehnte auf dem Dachboden steht, kann er allerdings wieder ein paar Euro wert sein.

VON FLORIAN STREB

WERT & SCHÖN

Ein Apple I der ersten Baureihe wurde einmal um mehr als eine halbe Million Euro versteigert. Sind historische Computer oft Schätze wie etwa Oldtimer?

Es gibt vereinzelt Auktionen, die es in die Medien schaffen, aber nur relativ wenige Modelle werden für mehr als 1.000 Euro gehandelt. Aus meiner Sammlung ist das zum Beispiel ein Wang 700, im Prinzip ein programmierbarer Taschenrechner, Ende der 60er. Aber für die meisten meiner rund 400 Computer würde man wohl irgendwas Zweistelliges bekommen.


Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen, alte Computer zu sammeln?

Schon als Jugendlicher war ich das, was man heute als Nerd bezeichnen würde. Die Gerätschaften von damals habe ich behal- ten, dann kamen welche aus der Familie und von Flohmärkten dazu. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich Computer- sammler bin.


Was macht einen Computer für Sammler interessant oder wertvoll?

Hobbysammler sind oft spezialisiert auf eine Marke oder ein noch engeres Thema. Computer, die heute hohe Preise erzielen, waren meistens auch schon, als sie neu waren, sehr begehrenswert. Zum Beispiel die Apple Lisa, das war der erste Bürocomputer mit einer Maus. Die hätte man sich wahnsinnig gerne gekauft, aber sie war weit im fünfstelligen Bereich. Heute zahlt man dafür wieder einige Tausend Euro.


Das heißt, bei Massenmodellen braucht man gar nicht darauf zu warten, dass sie einmal im Wert steigen?

Das kommt darauf an, wie viel Geduld man hat. Auch viele ganz normale PCs aus den 90ern, die vor zehn Jahren im Wertstoffhof gelandet wären, bringen heute oft wieder 60 oder 80 Euro. Wenn man einen Computer schon 25 Jahre auf dem Dachboden hat, dann kann man schon einmal auf eBay nachschauen, ob man dafür etwas bekommt.


Gilt das nur für Modelle mit einer besonderen Geschichte?

Oft sind Modelle gefragt, die typisch für eine bestimmte Klasse sind. Zum Beispiel die ersten Netbooks von Asus, die sind jetzt etwas mehr als zehn Jahre alt. Derzeit sind die nichts wert — aber irgendwann vielleicht zumindest ein bisschen was.


Wir nehmen aber mit: Zur Geldanlage sind Computer nicht geeignet.

Ja, das sind sie definitiv nicht. Es kommt ja noch ein Faktor dazu: Computer halten nicht ewig. Da können zum Beispiel Batterien auslaufen oder Kondensatoren austrocknen. Wenn man sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigt, kann man die Geräte kaum am Laufen halten.


Boris Jakubaschk sammelt alles, was einen Prozessor und ein Display hat, also zum Beispiel auch Digitalkameras. Seine Computersammlung präsentiert er in einem virtuellen Museum, in dem man auch viel über die Computerge- schichte erfährt – beginnend bei mecha- nischen Rechenhilfen.

www.homecomputer- museum.de

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2020 der perspektiven erschienen.