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„Bedeutet die Coronakrise das Ende der globalen Lieferketten?“

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Invesco


Nein, die Kosten dafür wären zu hoch


„Covid-19 wird die Struktur der globa- len Lieferketten nur begrenzt und vor- übergehend verändern. Entstanden sind diese in den letzten Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Anreizen: Zum einen erhielten Unternehmen Zugang zu auf- strebenden Märkten, in denen billiger produziert werden konnte, zum anderen ermöglichten bessere Kommunikations- und Transportsysteme schnellere Liefe- rungen günstigerer Produkte für Industrieländer.


Langfristig bleiben diese Anreize intakt. Kurzfristig könnte politischer Druck zu neuen Gesetzen führen, die eine Rück- verlagerung wichtiger Produktion an- ordnen, um besser für eine erneute Pan- demie oder ähnliche Krise und damit einhergehende Versorgungsengpässe gerüstet zu sein. Die wirtschaftlichen Kosten derartiger Maßnahmen wären aber so hoch, dass es dazu nie in gro- ßem Stil kommen wird.“

John Greenwood

© Invesco

John Greenwood, Chefökonom Invesco

Pictet Asset Management


Der Trend zu

Regionalisierung

ist nicht neu


„Die Coronavirus-Pandemie hat einen dunklen Schatten auf den Welthandel geworfen und einen beispiellosen Zu- sammenbruch des grenzüberschreiten- den Handels verursacht. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sich das Geflecht internationaler Wirtschaftsbe- ziehungen zwar verändern, der Handel aber nicht katastrophal geschädigt wird. Stattdessen werden einige Ströme physischer Güter durch digitale Dienst- leistungen ersetzt oder regionalisieren sich.


Dieser Trend zu stärker lokalisierten Lie- ferketten konnte jedoch auch schon vor der Pandemie beobachtet werden und ist zum Teil Resultat der Handelsspan- nungen zwischen China und den USA. Daher ist die Pandemie eher Beschleu-

niger der De-Globalisierung und Frag- mentierung der Lieferketten, nicht aber deren Haupt-Katalysator.“

Bénédicte Reisser

Bénédicte Reisser, Head of Distribution – Austria & EE, Pictet Asset Management

© Rainer Gaensslen

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