leben

Fuchteln oder ruhig bleiben?

Rhetorikexperte Thomas W. Albrecht weiß, wie Kommunikation aussehen muss, damit die Botschaften von einem breiten Publikum verstanden werden und auch Krisen wie Corona gut bewältigt werden können.

von silke ruprechtsberger

referenz

Welche Haltung optimal ist, hängt von der Botschaft ab, sagt Rhetorik-Experte Albrecht.

Wenn Rhetorik-Experte Thomas W. Albrecht einen Vortrag hält, steht er vorher am Saaleingang und begrüßt die Zuhörer, wech- selt mit ihnen ein paar Worte, registriert etwa, ob sie im Dialekt sprechen oder Fachwörter benutzen. Das kommt nicht von unge- fähr: „Ein guter Sprecher bedient sich der Wortwahl des Publi- kums, geht von der Lebenswelt der Zuhörer, nicht der eigenen aus“, ist er überzeugt. „Auf der Empfangsfrequenz der Menschen zu senden“, nennt Albrecht das. In einer Zeit der Massenkommu- nikation auf verschiedenen Social-Media-Kanälen ist das auf allen Ebenen wichtig, um gehört zu werden. Weil Menschen nur auf ih- rer eigenen Frequenz hören und empfangen, müsse man in Vor- trägen auf die unterschiedlichen Typen (detail- oder kontextori- entiert, zukunfts- oder vergangenheitsorientiert, problem- oder lösungsorientiert etc.) eingehen und für jeden ein Angebot haben.


Der Körper spricht mit. Der beste Inhalt nützt allerdings nichts, wenn der Körper eine andere Sprache spricht. Der Rhetorikex- perte schätzt, dass Form und Körpersprache die Kommunikation zu rund 90 Prozent beeinflussen. Wissenschaftler unterscheiden fünf Grundhaltungen: Die „Beschwichtiger-Haltung“ (gefaltete Hände oder Handflächen nach oben) wirkt etwas hilflos, will sa- gen: „Bitte, hört mir zu und glaubt mir.“ Die Ankläger-Haltung (starkes Gestikulieren mit dem rechten Arm) drückt Macht und Autorität aus.


Menschen in „Ablenkerhaltung“, also mit asymmetrischen, unko- ordinierten Bewegungen, machen es dem Publikum besonders schwer, sich auf das Gesagte zu konzentrieren.

„Mit einer intellektuellen, distanzierten Haltung des Rationalisie- rens (eine Hand an der Wange oder am Kinn, die andere vor dem Bauch) soll hingegen ausgedrückt werden: „Ich weiß, wie es geht.“ „Leveler“ (gerade, symmetrische Bewegungen, Handflä- chen nach unten) möchten signalisieren: „Was ich sage, das stimmt.“ Welche Haltung optimal ist, hänge von der Botschaft ab, meint Albrecht: So könne in einer sehr dramatischen Lage die Bittsteller-Haltung das Verständnis erhöhen. Insgesamt sei aber in der Regel eine ausgeglichene Leveler-Haltung zu empfehlen: „Bei Verhandlungen lässt sich das gut beobachten: Die stärkste Positi- on hat der, der sich am wenigsten bewegt.“


Corona: Videoaustausch statt Kaffeeklatsch. Was aber, wenn die Kommunikation durch Umstände wie Corona nur über Internet und Telefon erfolgen kann? „Wenn der direkte Kontakt wegfällt, gewinnen Stimme und Ausdruck an Bedeutung. Im Gespräch ist es dann besonders wichtig, sich klar und verständlich auszudrü- cken und Feedback einzuholen, ob auch alles angekommen ist“, so Albrecht. Insgesamt sei gute Kommunikation immer durch ei- nen ehrlichen, respektvollen und wertschätzenden Umgang ge- kennzeichnet, betont Albrecht. „In der richtigen Form kann man fast alles sagen. Man sollte sich auch vor unangenehmen und schwierigen Inhalten nicht fürchten.“


Weil mit den persönlichen Treffen (Stichwort: Kaffeepause) auch der informelle Austausch wegfalle, müssten Führungskräfte in Zeiten von Corona darauf achten, den Kontakt zum und im Team gut aufrechtzuerhalten. Albrecht rät hier zu einer täglichen kur- zen Videokonferenz, in der vor den anstehenden To-dos alle Teammitglieder sagen, wie es ihnen geht und wo sie gerade ste- hen. Denn: „Zu wissen, wer im Homeoffice gerade mit Home- schooling oder der Technik kämpft, ermöglicht es, aufeinander Rücksicht zu nehmen und Arbeitsabläufe besser zu organisieren.“


Das

4-MAT-Prinzip


Die US-Amerikanerin Bernice McCarthy entwickelte für Reden und Meetings einen Ablauf anhand von vier Fragen, um zu einem gemeinsamen Verständnis beizutragen. Gute Redebeiträge sollten laut Albrecht diesen vier Leitfragen folgen, und zwar genau in dieser Reihenfolge:


WARUM ist das Thema nützlich, hilfreich, relevant für mich?

WAS beinhaltet es? (Zahlen, Daten, Fakten)

WIE setzen wir das Thema/Vorhaben etc. um? Was sind die nächsten Schritte?

WOZU führt das in Zukunft? (Konsequenzen, Vision dahinter)

„Wichtig ist ein respektvoller Umgang. In der richtigen Form kann man fast alles sagen.“

THOMAS W. ALBRECHT

© 2018 Picture People

Thomas W. Albrecht, TWA Mentale Innovation GmbH, ist gefragter Vortragender und Experte für Rhetorik und Kommunikation. Von Unternehmen wird er gerne gebucht, um Botschaften zu transportieren und Menschen zu bewegen. www.twa.gmbh

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 1/2020 der perspektiven erschienen.

MEHR ZUM THEMA LEBEN