LEBEN

„Nur jeder zehnte Keller bietet das richtige Klima“

Wenn man erfolgreich in Wein investieren will, ist Expertise nur ein Faktor von vielen, erklärt Diplom-Sommelier und Weinakademiker Wolfgang Kneidinger, der den Keller des Palais Coburg managt.

VON FLORIAN STREB

WERT & SCHÖN

Wolfgang Kneidinger hütet als Geschäftsführer der Palais Coburg Weinraritäten GmbH einen flüssigen Schatz: rund 60.000 Flaschen im Wert von etwa 18 Millionen Euro.

Viele Weine zeigen beachtliche Wertentwicklungen. Kann man davon mit ausreichend Fachwissen profitieren?

Man muss nicht nur wissen, was man kauft, sondern auch, wo man kauft. Es ist oft schwieriger, eine gute Einkaufsmöglichkeit zu finden, als die Auswahl des Weines zu treffen.


Und wenn man den richtigen Wein hat, heißt es nur noch warten?

Ja, aber nur wenn der Wein richtig gelagert ist — die Lagerkosten dürfen Sie in der Rechnung nicht vergessen. Ich kenne viele Privatkeller, aber nur wenige bieten perfekte Bedingungen.

Möglichst wenig Licht, 75 bis 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und eine Temperatur zwischen 7 und 17 Grad, die aber über das ganze Jahr konstant sein muss, sind essenziell, um das bestmögliche Lagerpotenzial zu erreichen.


Wie wirken sich verschiedene Faktoren auf den Wert eines Weines aus?

An erster Stelle steht die Qualität. Auch Bewertungen sind wichtig für den Investitionsmarkt — da kostet dann eine Flasche nach einer sehr guten Bewertung 100 Euro statt 40. Je teurer der Wein ist, desto stärker kommen Faktoren wie Image, Alter und Rarität ins Spiel.


Gilt die Faustregel, je älter, desto wertvoller?

Nein — der Wein ist am wertvollsten, wenn er trinkreif ist. Leider verpassen viele Sammler den richtigen Zeitpunkt. Das ist dann doppelt schade, weil der Wein erstens seinen Wert verliert und zweitens auch oxidiert ist und nicht mehr gut schmeckt. Viele Weine sind aber ausgesprochen gut lagerfähig — die älteste Flasche in unserem Keller ist ein Süßwein aus dem 18. Jahrhundert, der immer noch ausgezeichnet schmeckt.


Muss man Weinliebhaber sein, um erfolgreich in Wein zu investieren?

Es ist auf jeden Fall ein Riesenvorteil. Wenn man mit Herz dabei ist, eignet man sich auch leichter Expertise an und findet Kontakte, wo man einkaufen kann. Vergessen Sie auch nicht, dass das eine sehr budgetbindende Anlage ist — Wein ist nur aus physikalischer Sicht liquide. Und es ist sicher nicht sinnvoll, Weine um zehn Euro zu kaufen und darauf zu warten, dass sie zwölf wert sind. Dafür sind Lagerung und Transport zu aufwendig.


Haben Sie einen Lieblingswein?

Nein, dazu gibt es viel zu viele. Was mir aus den letzten Wochen besonders in Erinnerung geblieben ist, ist ein Bâtard Montrachet 1990 von Ramonet. Ein sehr schöner Chardonnay, der noch locker zehn Jahre Potenzial hat und wirklich Spaß gemacht hat — wofür er ja gemacht worden ist, was hin und wieder vergessen wird.

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 1/2018 der perspektiven erschienen.

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