LEBEN

Maßanzug für Stifter

Die Caritas Stiftung Österreich bietet wohlhabenden Philanthropen die Möglichkeit, sich ganz nach ihren eigenen Bedürfnissen sozial zu engagieren. Es ist sogar möglich, Kapital nur für einen bestimmten Zeitraum einzubringen.

VON ALEXANDRA GRUBER

REFERENZ

Lokale Projekte wie Obdachlosenbetreuung oder Mutter-Kind-Häuser der Caritas können ebenso unterstützt werden wie weit entfernte Unterfangen, etwa eine neue Schule in Afrika.

Seit einigen Jahren sind Spenden an gemeinnützige Stiftungen steuerlich attraktiver als zuvor. Für die neun diözesanen Caritasorganisationen in Österreich und die Österreichische Caritaszentrale war das eine der entscheidenden Motivationen, eine Stiftung zu gründen: Die Caritas Stiftung Österreich ist die erste eingetragene Stiftung nach dem neuen Bundesstiftungs- und Fonds-Gesetz und hat ausschließlich den Zweck, gemeinnützige und soziale Vorhaben zu verwirklichen.


Wie wollen Sie helfen? Seit ihrem Gründungsjahr 2016 offeriert die Einrichtung eine Vielzahl an Möglichkeiten, um in Wohltätigkeit zu investieren. Denn jedermann kann sich mit einer sogenannten Zustiftung engagieren. „Jede Zustiftung ist eine maßgefertigte Lösung“, sagt Cornelius Türk, Geschäftsführer der Caritas Stiftung Österreich. „Sie bietet einem Großspender das Maximum an Flexibilität.“ Hunderte gemeinnützige Projekte sowohl im In- als auch im Ausland stehen zur Auswahl. „Die Bandbreite ist riesig“, berichtet Türk. „Zustifter können Kinder und Jugendliche, Hospize oder Demenzkranke in ihrer eigenen Region genauso unterstützen wie eine Schule oder ein Ernährungsprojekt in Afrika.“


Als Zuwendung sind neben Barmitteln auch Immobilien oder Wertpapiere eine Option. Nicht nur beim Verwendungszweck darf der Gönner mitreden, sondern auch bei der Frage, wie das Vermögen angelegt wird. „Der Zustifter sucht sich ein individuelles Sozialprojekt aus und bekommt einen eigenen Rechnungskreis sowie einen Vertrag, der genau definiert, wie viel er eingebracht hat“, erklärt der Geschäftsführer. Auch Mitarbeit oder Besuche bei dem gewählten Hilfsprogramm seien jederzeit möglich.


Ab 100.000 Euro sinnvoll. Eine eigene Stiftung zu gründen erfordert hohen Verwaltungsaufwand und viele Zusatzkosten. Ein Zustifter steigt im Gegensatz dazu mit seinem Vermögen in eine bereits bestehende Stiftung ein und erspart sich somit Zeit und Geld. Ein Engagement in der Caritas Stiftung Österreich ist allerdings erst ab einem Betrag von 100.000 Euro sinnvoll. „Auch eine Zustiftung verlangt ausführliche steuerliche und rechtliche Beratung und einen individuellen Vertrag“, betont Türk. „Wenn jemand weniger einbringen möchte, keinen eigenen Vertrag wünscht oder sich nicht näher mit unseren Projekten beschäftigen will, dann rate ich ihm zu einer klassischen Spende.“


Eine Zustiftung ermöglicht es, Hilfsprogramme nachhaltig zu fördern, wobei der Zustifter darüber laufend durch regelmäßiges Reporting informiert wird. Im Vergleich zu Spenden wird mehr Beratung und Service angeboten, auch die steuerlichen Vorteile sind höher.


Stiften auf Zeit. Wer das Vermögen verwaltet, entscheidet der Zustifter. Er kann diese Aufgabe zum Beispiel der Caritas Stiftung Österreich überlassen, aber auch einer Bank oder einem Vermögensverwalter. Die Caritas Stiftung Österreich gibt jedoch klare ethische Veranlagungsrichtlinien vor. Es besteht auch die Option, dass nur die Erträge, etwa Zinsen oder Mieteinnahmen, für Sozialprojekte verwendet werden, das Grundkapital oder die Immobilie bleibt bei dieser Variante unangetastet. Alternativ kann vereinbart werden, dass der Gönner nach Ablauf einer Frist die eingebrachte Summe wieder zurückerhält. Ob er anonym bleiben möchte (außer gegenüber den Finanzbehörden) oder lieber dem Grundsatz „Tu Gutes und sprich darüber“ folgt, ist seine Entscheidung. „Beide Varianten werden von uns je nach Wunsch zu 100 Prozent unterstützt“, sagt Türk.


Was wäre, wenn ein Stifter ein völlig neues Hilfsprojekt initiieren und gemeinsam mit der Caritas Stiftung Österreich verwirklichen möchte? „In diesem Fall muss man offen sagen, dass wir nur gründen, wenn die Projekte dauerhaft finanzierbar sind“, antwortet der Geschäftsführer. „Die Grundvoraussetzung wäre, dass man sehr hohe Eigenmittel einbringt. Bisher hat noch jeder Zustifter unter den bereits bestehenden Hilfsprogrammen ein passendes gefunden.

Cornelius Türk führt die Geschäfte der Caritas Stiftung Österreich.

„Eine Zustiftung bietet einem Großspender das Maximum an Flexibilität.“

CORNELIUS TÜRK

Steuerbegünstigt stiften


Bereits in der Antike und im Mittelalter gab es Stiftungen: Das sind Einrichtungen, die mithilfe ihres Vermögens einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgen. Traditionell entspringen Stiftungen dem sozialen Gedanken, heute können Privatstiftungen jedoch auch eigennützige Ziele haben. Eine Spende muss laut Gesetzgeber zeitnah verwendet werden, während man bei einer Stiftung Gelder langfristig anlegt. Bei Spenden von Privatpersonen sind bis zu 10 Prozent des Gesamtbetrages der Einkünfte des jeweiligen Jahres als Sonderausgaben abzugsfähig, bei Einlagen in gemeinnützigen Stiftungen sind es zusätzlich weitere 10 Prozent, somit lässt sich der Effekt auf 20 Prozent maximieren. Wer seinen Beitrag auf mehrere Jahre verteilt einbringt, kann sein Engagement zusätzlich steuerlich optimieren.

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2018 der perspektiven erschienen.

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