MARKT

Uns geht die Arbeit aus.

Das ist die gute Nachricht.

Auch hoch qualifizierte Tätigkeiten werden künftig immer öfter von Maschinen übernommen, prognostiziert Trendforscher Franz Kühmayer. Es gilt, ein neues Gesellschaftsbild zu entwerfen.

VON FRANZ KÜHMAYER

KOMMENTAR

Die Roboter kommen, und sie rütteln an den Bürostühlen und sogar am Chefsessel. Welche Jobs betroffen sind, ist noch unsicher. Dass die Entwicklung enorme Veränderungen für Arbeit und Gesellschaft mit sich bringt, daran herrscht jedoch kein Zweifel. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen.


Erstens, der Wandel wird tiefgreifend sein.

Kurzfristig bringt Digitalisierung sogar einen Anstieg der Beschäftigung. Gefragt sind Berufe, die den Wandel gestalten und begleiten, zum Beispiel Informatiker und Berater. Mittelfristig wird sich das wandeln. Auch hoch qualifizierte Berufe sind betroffen, und uns wird tatsächlich die Erwerbsarbeit, so wie wir sie heute kennen, ausgehen.


Wäre das so schlecht? Der unbeliebteste Wochentag ist der Beginn der Arbeitswoche, Montag. Es kann ein Befreiungserlebnis sein, wenn uns Maschinen von der Routine befreien. Dass Automatisierung zu anspruchsvolleren Tätigkeiten führt und Berufe hinwegrafft, ist nichts Neues. Bislang war Bildung der sichere Ausweg, um den Maschinen zu entkommen. Künftig wird das nicht mehr reichen, weil uns Maschinen kognitiv überlegen sein werden. Sie werden besser analysieren, denken und entscheiden als wir. Und zwar nicht nur in einem schmalen Themenspektrum, sondern breitflächig.

Die Digitalisierung drängt uns hin zu unserer ureigenen Menschlichkeit. Wir sind schöpferische, soziale Wesen. All das werden Computer auch auf lange Zeit hinweg nicht sein. Um der Antwort nach der Arbeit von morgen auf die Spur zu kommen, müssen wir den Wert von Arbeit gesamthaft denken. Nicht nur als ökonomischen Faktor, der Einkommen sichert und das Gemeinwesen finanziert. Einen höheren Sinn in der eigenen Tätigkeit zu erkennen gehört zu den fundamentalen Antrieben des Menschen. Schon das ist ein Indiz dafür, dass das bedingungslose Grundeinkommen nicht ausreichen wird, um den Kahlschlag, den Digitalisierung in unserer Arbeitswelt hinterlassen wird, zu kompensieren. Es geht um ein neues Gesellschaftsbild.


Zweitens, wir brauchen mehr Humanismus.

Was man tun kann, ist eine Frage der Technik; was man tun darf, ist eine Frage des Rechts; was man tun soll, eine Frage der Ethik. Die großen Themen der digitalen Zukunft dürfen nicht auf technologischer Ebene verhandelt werden.


Für einen verantwortungsbewussten Zugang zum Thema digitale Zukunft brauchen wir einen breiten politischen und zivilgesellschaftlichen Dialog, der von ethischen und humanistischen Maßstäben geprägt ist. Denn auf dem Spiel steht nicht weniger als die Zukunft unserer Arbeitswelt und die Gesellschaft von morgen. Wir müssen bereits heute damit anfangen, sie zu gestalten — es ist hoch an der Zeit!

Franz Kühmayer ist einer der einflussreichsten Vordenker der neuen Arbeitswelt. Er arbeitet als Trendforscher am Zukunftsinstitut.

„Wenn die Maschinen immer bessere Maschinen werden, dann müssen wir Menschen immer bessere Menschen werden.“

FRANZ KÜHMAYER

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 1/2019 der perspektiven erschienen.

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