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„Oft sind bessere

Ertragschancen bei

gleichem Risiko möglich“

Die Risiko-Ertrags-Analyse des Bank Austria Private Banking zeigt auf, wie sich Portfolios auf wissenschaftlicher Basis optimieren lassen – und bereitet vielen Kunden Aha-Erlebnisse.

VON FLORIAN STREB

„Was, glauben Sie, hätte die Griechenland-Krise für Ihr Portfolio bedeutet?“ Wenn Michael Hutterstrasser für das Portfolio eines Kunden eine individuelle Risiko-Ertrags-Analyse durchführt, hat er die Antwort auf diese Frage im Gepäck. Vor dem Termin lässt der Leiter des Wiener Innenstadt-Teams den Computer mehrere Szenarien berechnen. „Wir können verschiedene Ereignisse aus der Vergangenheit durchspielen, aber auch einige zukünftige Szenarien, zum Beispiel zu einem starken Zinsanstieg“, erklärt Hutterstrasser. Drei bis vier Simulationen bereitet er pro Termin vor — und die Erkenntnisse sind für die Kunden oft überraschend, besonders bei der Erstanalyse.


„Die Schuldenkrise in Griechenland hatte auf die meisten Portfolios kaum Auswirkungen, das wird gerne überschätzt“, berichtet Hutterstrasser. „Dafür ist vielen Besitzern von Anleihen nicht bewusst, wie sich ein starker Zinsanstieg auf ihr Investment auswirkt — das kann mitunter mit einem Schlag bis zu 20 Prozent an Wert verlieren. Und auch eine vermeintlich sehr sichere Anleihe kann einmal ausfallen, hat uns die Vergangenheit bewiesen.“ Selbst ist er von den Ergebnissen zwar nur selten überrascht — „aber wenn man die Zahlen schwarz auf weiß sieht, ist das schon etwas anderes als ein abstraktes Bewusstsein.“


Nobelpreis für die Theorie. Die Ergebnisse der Simulationen nutzen die Berater des Bank Austria Private Banking, um die Portfolios ihrer Kunden zu optimieren. „Oft sind bessere Ertragschancen bei gleichbleibendem Risiko möglich. Wir erklären, was im Depot dafür umgeschichtet werden muss“, sagt Hutterstrasser. Einziger Haken: „Nur weil eine Anlageklasse über

viele Jahre durchschnittlich acht Prozent Ertrag bringt, muss das ja nicht in Zukunft auch so sein — das muss man schon dazusagen. Aber unsere Empfehlungen basieren nicht auf einer vagen Vermutung, sondern auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ Der US-amerikanische Ökonom Harry M. Markowitz, dessen Theorien eine wichtige Grundlage für die Berechnungen bilden, wurde für seine Arbeiten 1990 sogar mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet.


Auch die Marktsituation beachten. Im Vermögensmanagement wird das Analysetool neben anderen Systemen ebenfalls genutzt. Das Abwägen zwischen Risiko und Ertrag sei eine der zentralen Aufgaben in der Vermögensverwaltung, berichtet Oliver Prinz, Leiter der Abteilung Asset Management: „Man darf Risiko nicht generell negativ sehen. Wenn man Ertrag haben möchte, muss man Risiko eingehen — aber es muss auch honoriert werden.“ In der Finanzkrise sei das vernachlässigt worden: „Da waren die Risikoaufschläge zu gering. Das hat sich gerächt.“ Prinz weist darauf hin, dass man neben den Analyseergebnissen stets auch die aktuelle Marktsituation beachten müsse: „Immer, wenn es bergab geht, treten andere Korrelationen zwischen verschiedenen Wertpapieren und Anlageklassen auf als in der Vergangenheit — da hilft der qualitative Input, die Risiken besser einzuschätzen.“ Deshalb arbeite das Team Vermögensmanagement mit dem Team Risikomanagement eng zusammen.


Prinz muss im Vermögensmanagement auch Risikofaktoren beachten, die für Einzelanleger weniger bedeutend sind und in der Risiko-Ertrags-Analyse auch nicht abgebildet werden können: „Wenn zum Beispiel ein Wertpapier nur in relativ geringem Volumen gehandelt wird, wird es zum Problem, wenn man Anteile um zig Millionen kaufen oder verkaufen will. Für jemanden, der 20.000 Euro investiert, stellt es dagegen kein großes Risiko dar.“


Viel Aufwand, aber lohnend. Für die meisten Kunden ist das Angebot einer individuellen Risiko-Ertrags-Analyse etwas ganz Neues. „Das bietet sonst in Österreich fast niemand“, sagt Michael Hutterstrasser. „Vielleicht liegt das daran, dass das Thema einen sehr hohen Erklärungsbedarf hat. Und dass die Berater intensiv geschult werden müssen.“ Der Knackpunkt sei, die vielen Fachbegriffe, wie beispielsweise Value at Risk, möglichst simpel zu vermitteln. Hutterstrasser analysiert auf diesem Weg in der Regel jedes Depot regelmäßig. „Ich bin jedenfalls überzeugt von der Analyse. Und auch von den Kunden wird sie sehr goutiert — das ist ein Mehrwert, den andere Banken nicht bieten.“

Michael Hutterstrasser präsentiert seinen Kunden verschiedene Szenarien.

Oliver Prinz muss im Vermögensmanagement zusätzliche Risikofaktoren beachten.

„Vielen Besitzern von Anleihen ist nicht bewusst, was ein starker Zinsanstieg für ihr Investment bedeutet.“

MICHAEL HUTTERSTRASSER

„Wenn man Ertrag haben möchte, muss man Risiko eingehen — aber es muss auch honoriert werden.“

OLIVER PRINZ

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2018 der perspektiven erschienen.

PRAKTISCH

Marianne Mach legt ihr Geld konservativ an – vor Kurzem hat sie aber ein paar Anleihen durch Aktien ersetzt.

Mit unserem Hotel haben wir schon mehrere Höhen und Tiefen durchgemacht. Ein verregneter Sommer, neue Trends bei Destinationen – da kann man seinen Job noch so gut machen, die Einnahmen leiden trotzdem. Als Unternehmerin bin ich also laufend wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt. Deshalb habe ich immer sehr risikobewusst investiert und auf einen sehr hohen Anleiheanteil bestanden. Dass auch Anleihen nicht risikolos sind, ist mir bekannt. Aber als meine Beraterin dann eine Risiko-Ertrags-Analyse gemacht hat, war ich doch überrascht: Sie hat mir gezeigt, dass es unter gewissen Umständen sinnvoll ist, ein paar Aktien in mein Portfolio zu mischen. Die Risiko-Kennzahlen könnten sich dadurch verbessern und die Ertragschancen steigen. Wenn doch nur das Wetter auch so leicht zu beeinflussen wäre …