LEBEN

Appetit auf die Rendite

Findige Landwirte gehen auf der Suche nach Kunden und Kapital neue Wege: Was steckt hinter Schaf-Aktien, Mietkühen und solidarischem Gemüseanbau?

VON FLORIAN SEDMAK

WERT & SCHÖN

Aus kulinarischer Sicht sind viele der Angebote durchaus verlockend.

Eine wachsende Zahl vorwiegend junger Bäuerinnen und Bauern präsentiert die eigene Landwirtschaft als Investmentchance. Die verschiedenen dahinterliegenden Modelle unterscheiden sich aber radikal voneinander, sowohl bei den Motiven der Bauern als auch beim Anreiz für Kunden. Oft steht für die Anbieter ein Marketinggedanke im Vordergrund, manchmal auch die Kapitalbeschaffung. Im Gegenzug bieten sie nur selten rein finanzielle Anreize, sondern meist Naturalien — und oft bedienen sie auch die ideelle Motivation der Anleger. Diese können mit ihrem Beitrag etwa helfen, kleine Betriebe zu erhalten, die sich auf Sortenraritäten oder alte Viehrassen spezialisiert haben.


Geteiltes Risiko, geteilte Ernte. Besonders eng sind die Beziehungen von Agrarunternehmern und Investoren im Modell der „Community-supported Agriculture“ (CSA), zu Deutsch: gemeinsame bzw. solidarische Landwirtschaft. Hier bestimmen Letztere als Kapitalgeber für den Gemüseanbau sogar mit, wie viel wovon gepflanzt werden soll. Den Ertrag bestimmt die Natur: Auch in den noch dünn gesäten österreichischen CSA-Betrieben besteht er in einem wöchentlich zugestellten aliquoten Anteil der Ernte. Je nach Saison fällt er üppiger oder schmäler aus. Hofbesuche und Mitarbeit sind bei diesem Modell ausdrücklich erwünscht.


Kalbendes Kapital. Man findet auch Angebote mit primär finanziellen Anreizen: So können zum Beispiel Anteilseigner einer südafrikanischen Kuhherde am Viehverkauf infolge Bestandsmehrung mitverdienen. Ein österreichisches Biosaatbauunternehmen, das kürzlich Kapital für einen Zubau einsammelte, lässt den Kunden die Wahl: Sie können die Rendite in Form von Bargeld einstreifen oder in zweieinhalbfacher Höhe als Gutschein.


„Fette“ Verzinsung. Immer größer wird das Angebot an Tierpatenschaften. Solche bieten etwa ein Bioimker im oberösterreichischen Molln oder ein steirischer Milchbetrieb. Für das Patengeld gibt es Honig vom eigenen Bienenvolk oder Milchprodukte von der eigenen Mietkuh, der man via Webcam beim Grasen und Wiederkäuen zusehen kann. Wer eine burgenländische „Schaf-Aktie“ zeichnet, erhält drei Jahre lang Lammfleisch-Pakete. Ein Bioschweinehof bietet für eine Laufzeit von zehn Jahren über fünf Prozent „Verzinsung“ — in Form von Warengutscheinen. Bei den oft verlockend hohen Renditen, die geboten werden, sollte man aber beachten: Nüchtern betrachtet erhält man nicht Zinsen, sondern einen Mengen- oder Stammkundenrabatt auf Speck und Koteletts.


Als echte Anlageobjekte taugen Schaf-Aktie, Mietkuh & Co. also kaum. Aus ideeller oder kulinarischer Sicht dagegen machen viele der Angebote durchaus Appetit auf eine ganz besondere Rendite.

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2017 der perspektiven erschienen.

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