LEBEN

„Wald ist

sinngebend“

Waldverband-Obmann Rudolf Rosenstatter freut es, wenn jemand aus der Region ein Stück Wald erwirbt und bewirtschaftet – solange dieser Jemand dabei nicht nur ans Geld denkt.

VON FLORIAN STREB

WERT&SCHÖN

Wirft Wald eine Rendite ab?

Die Dividende des Waldes ist Holz. Die entsteht durch Pflege und Obsorge. Die Holzwirtschaft ist der zweitgrößte Devisenbringer nach dem Tourismus, sie schafft in Österreich 300.000 Arbeitsplätze. Ich vergleiche Wald nicht gerne mit Aktien oder Anleihen — aber er hat einen bezifferbaren Wert und man kann ihn belehnen oder verkaufen.


Kann jeder ein Stück Wald kaufen?

Prinzipiell ja, aber Wald ist rar, weil man ihn nicht heute kauft und morgen wieder abstößt wie ein Auto, das einem nicht mehr gefällt. Er wird meist über Generationen weitergegeben. Wenn man heute einen Baum pflanzt, dauert es drei Generationen, bis man die Dividende ernten kann. Wir sehen es auch nicht gerne, wenn Wald an einen profitorientierten fremden Investor verkauft wird. Da ist mir lieber, wenn der Direktor des lokalen

Unternehmens für seine Familie ein Stück Wald erwirbt, der dazu einen persönlichen Bezug hat.


Welche Verpflichtungen hat man als Waldbesitzer?

Eigentum verpflichtet immer, bei Wald ganz besonders. Es sind alleine 34 Gesetze zu befolgen, bevor man einen Baum umschneidet — da geht es um den Lebensraum, ums Wasserrecht, um Verkehrssicherung. Eine Sünde wäre es aber, den Wald nicht zu bewirtschaften: Mit Holz ersetzt man Rohstoffe, die die Umwelt und das Klima belasten. Wald muss man pflegen, dann bleibt er Jahrtausende fast unverändert erhalten. In

Nationalparks, wo der Wald in der Regel sich selbst überlassen wird, werden heute Schneisen geschlagen, weil sonst der Auerhahn nicht starten kann.


Was ist die Aufgabe des Waldverbands?

Wir sind der Zusammenschluss der kleinen Waldbesitzer. 150.000 Familien in Österreich besitzen Wald, rund 80.000 davon sind unter unserem Dach organisiert. Wir kümmern uns zum Beispiel um gemeinschaftliche Bewirtschaftung, um fachliche Weiterbildung und um Zertifikate, die nachweisen, dass man Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kauft und nicht aus Raubbau. Den gibt es zum Beispiel in Südamerika, das schadet dem Ruf von Holz leider sehr.


Was ist Ihr persönlicher Bezug zu Wald?

Ich lebe von ihm, und er gibt mir viele Antworten im Leben. Je besser ich die Zusammenhänge kenne, desto wichtiger wird er mir: Er bietet Erholung, Freizeit, Schutzfunktionen, einen wirtschaftlichen Nutzen. Ich habe meinen Großvater nicht gekannt, aber die Bäume, die er gesetzt hat, geben mir emotionale Nähe. Wald ist sinngebend.

Der Salzburger Rudolf Rosenstatter ist Obmann des Waldverbands Österreich.

„Es wäre eine Sünde, den Wald nicht zu bewirtschaften.“

RUDOLF ROSENSTATTER