LEBEN

Ein fliegender

Ferrari

350 Stundenkilometer schnell und teurer als ein Sportwagen: Falken sind vor allem in Arabien eine Leidenschaft, bei der Geld keine Rolle spielt, berichtet Falkner Christian Großkopf.

VON FLORIAN STREB

WERT&SCHÖN

Worum geht es bei der Falknerei?

Der Ursprung ist eine mehr als 3.000 Jahre alte Jagdkultur, die aus den Steppen Zentralasiens stammt. Früher nutzten die Menschen Greifvögel wie Falken und Bussarde, um zu Nahrung zu kommen. Heute stehen oft andere Ziele als die Jagd im Vordergrund: Für mich ist die große Kunst, dass der Falke aus freien Stücken zurückkommt. In arabischen Ländern gibt es auch Falkenrennen, die der Jagd den Rang abgelaufen haben.


Wie kann man sich ein Falkenrennen vorstellen?

Auf verschiedene Distanzen wird eine Beuteattrappe geschwenkt, zum Beispiel ein Federspiel. Der Vogel startet von einem Arm aus und mittels modernster Technik wird gemessen, wie schnell er am Ziel ist. In der Horizontalen erreichen Falken Geschwindigkeiten von 120 bis 150 Stundenkilometern — manche behaupten auch, dass ihre Vögel noch schneller sind.


Stimmt es, dass Falken in der arabischen Welt einen sehr hohen Stellenwert genießen?

Ja — wer zur Oberschicht gehört, muss Falken haben, das ist dort ein Statussymbol. Adler oder Bussarde sind dort nicht gefragt, sondern nur die schnellsten Vögel, und das sind die Falken. Im Sturzflug kann ein Wanderfalke 350 Stundenkilometer erreichen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar werden Preise bezahlt, die sich kaum einer in Europa leisten kann. Manche Scheichs fliegen sogar mit ihren Vögeln nach Usbekistan oder Pakistan auf Trainingslager.


Wie viel kostet ein „guter“ Falke und wonach richtet sich sein Wert?

Es gibt Vögel, die für 500 Euro verkauft werden, und welche, die mehr als ein Ferrari kosten — das liegt primär an der Besessenheit des Käufers. Ich war selbst zwei Jahre als Hauptfalkner in den Emiraten beschäftigt, und auch für mich ist schwer zu durchschauen, wonach sich der Preis richtet. Kriterien sind jedenfalls Geschwindigkeit, Größe, Farbe, Einzigartigkeit und ob der Falke schon trainiert ist.


Ist es schwer, Falken zu halten?

Es können zwar fast alle 351 Greifvogelarten in menschlicher Obhut nachgezüchtet werden, aber Greifvögel lassen sich nicht zähmen. Deshalb braucht es sehr viel Einfühlungsvermögen. In Österreich wird leider nicht überall die Falknerprüfung vorausgesetzt, in vielen anderen Ländern schon. Die Haltung erfordert viel Zeit und Kosten: Passendes Futter, Unterbringung, Arztbesuche … Dafür können Sie aber auch viel Geld sparen: Wenn Sie einen Greifvogel haben, können Sie nicht schnell einmal zwei Wochen auf Urlaub fahren.

Falken gelten als die schnellsten Vögel der Welt – und in manchen Teilen davon als Statussymbol.

Christian Großkopf ist Vizepräsident und Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Österreichischen Falknerbundes.

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2018 der perspektiven erschienen.