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„Am Währungsmarkt muss man sehr geduldig sein“

Wer international investiert, hat automatisch Währungsrisiken im Portfolio. Will man diese bewusst eingehen oder doch lieber absichern? Diese Frage sollten sich Anleger stellen, sagt Pioneer-Währungsexperte Andreas König.

VON JULIA THIEM

Nur wenige Investoren beschäftigen sich mit Währungen als Assetklasse. Woran liegt das?

Andreas König: Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass sich Währungen so deutlich von anderen Anlageklassen unterscheiden. Denn der Währungsmarkt an sich bewegt sich nicht, geht also weder hoch noch runter. Es gibt immer ein Währungspaar. Kaufe ich die eine Währung, verkaufe ich dafür eine andere. Und wenn eine Währung steigt, verliert eine andere relativ dazu an Wert. Der Markt an sich kann also nicht wie beispielsweise der Aktienmarkt unendlich steigen, sondern ist langfristig betrachtet in Balance. Das zeigt sich auch an den wirtschaftlichen Zusammenhängen: Fällt eine Währung, kurbelt das nicht selten dank günstigerer Exporte die Wirtschaft an, was langfristig dazu führt, dass die Währung wieder steigt. Was manche Anleger außerdem zunächst abschreckt, ist die Tatsache, dass es sich beim Währungsmarkt um einen OTC-Markt handelt, der hauptsächlich außerbörslich abgewickelt wird.


Ihrer Meinung nach ist es jedoch ein Fehler, sich nicht mit Währungen zu befassen.

Eindeutig. Denn in dem Moment, in dem ich einen internationalen Fonds im Portfolio habe, gehe ich ein Währungsrisiko ein. Das ist per se erst einmal nichts Schlimmes. Ich muss mir nur darüber im Klaren sein, welche Faktoren mein Ergebnis wie beeinflussen können. Wenn ich als Anleger also international aktiv bin — was ich aus Diversifizierungsgründen sein sollte — muss ich wissen, wo ich Währungsrisiken eingehe und ob ich dies bewusst tun oder sie lieber absichern will.


Eingehen oder absichern — wie trifft man diese Entscheidung?

Investiere ich international, habe ich ein sogenanntes „natürli- ches Exposure“, da ich immer auch Positionen in Fremdwährun- gen im Portfolio habe. Sagen wir einmal, ein internationaler Akti- enfonds hält zehn Prozent seiner Anlagen in US-Dollar, dann ist das mein Währungsrisiko. Gehe ich davon aus, dass der US-Dollar steigt, kann dieses Währungsrisiko bewusst zum Teil meiner An- lagestrategie werden. Glaube ich hingegen an einen fallenden US- Dollar, würde ich das Risiko über ein sogenanntes „Hedging“ ab- sichern. Dafür verkaufe ich den entsprechenden Gegenwert des US-Dollar-Anteils im Portfolio auf Termin — in unserem Beispiel also zehn Prozent. Oder ich sichere über eine Put Option ab.


Neben dem natürlichen gibt es auch ein „aktives Währungsexposure“, wie sieht dieses aus?

Währungen eignen sich aufgrund ihrer geringen Korrelation zu traditionellen Anlageklassen hervorragend zur Diversifikation.

Außerdem liegt ihre durchschnittliche Volatilität meist deutlich unter der von Aktien. Aktuell sind die Zinsen tief, Aktien auf einem Allzeithoch und viele Anleger sind auf der Suche nach alternativen Investitionsmöglichkeiten. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich aktiv für Währungen als Portfoliobeimischung zu entscheiden. Selbst ohne Rendite kann ein aktives Währungsengagement das Risiko im Portfolio deutlich senken. Am Währungsmarkt muss man allerdings sehr

geduldig sein. Unser Fonds ist beispielsweise nicht immer investiert. Vielmehr geht es darum, Chancen zu erkennen und gezielt zu nutzen. Im Schnitt haben wir zwischen zehn und zwanzig Positionen im Portfolio. Wenn wir jedoch investieren, dann meist sehr schnell und eher kurzfristig. Eine durchschnittliche Halteperiode liegt zwischen drei und vier Wochen.


Warum sind die Haltedauern kürzer als in anderen Assetklassen?

Mit dem geduldigen Warten auf interessante Chancen und den oftmals kurzen Haltedauern nutzen wir die Vorteile des Währungsmarktes. Denn dank des außerbörslichen Handels gibt es an 24 Stunden am Tag Preise — selbst in den größten Krisen. Hinzu kommen die günstigen Konditionen: Die Geld-Brief-Spanne ist fast vernachlässigbar und so kann man Positionen zu sehr geringen Kosten schnell öffnen und auch wieder schließen.


Birgt der außerbörsliche Handel nicht auch höhere Risiken?

Im Fall des Währungsmarktes würde ich das klar verneinen. Er ist mit Abstand der größte Markt, der mit großer Geschwindigkeit und hoher Liquidität handelt. Und genau deshalb funktionierte er auch so reibungslos, wie man selbst während der Finanzkrise 2008 gesehen hat. Ich glaube also nicht, dass der außerbörsliche Handel von Währungen mit einem höheren Risiko verbunden ist. Ich glaube aber, dass es ratsam sein kann, sich bei dieser doch sehr speziellen Anlageklasse die Unterstützung von Experten zu holen, die die Zusammenhänge gut kennen und entsprechend die Vorteile des Marktes auch vollumfänglich nutzen können.

Andreas König ist seit 2013 Head of Foreign Ex- change, Europe, bei Pioneer Investments und seit 2007 als Fondsmana- ger im Unternehmen. Seit Beginn seiner Karriere 1994 beschäftigt sich der CFA mit Währungen und kennt den Markt mit sei- nen Bewegungen deshalb sehr genau.

„Wenn ich als Anleger international aktiv bin, muss ich wissen, wo ich Währungsrisiken eingehe.“ ANDREAS KÖNIG

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 2/2017 der perspektiven erschienen.

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