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Selbst bestimmen, wer im Vorsorgefall entscheidet

Das neue Erwachsenenschutzgesetz gewährt Menschen mit eingeschränkter Entscheidungsfähigkeit im Vertretungsfall mehr Autonomie. Nach wie vor gilt: Eine individuell erstellte Vorsorgevollmacht ist die beste Lösung.

VON ELKE ESTERBAUER

EXPERTISE

Die Sachwalterschaft ist Geschichte: Seit 1. Juli 2018 gilt das 2. Erwachsenenschutzgesetz, das die Selbstbestimmung von psychisch kranken oder vergleichbaren kognitiv beeinträchtigten Personen stärken soll. Künftig gibt es vier Vertretungsinstrumente (siehe Kasten), wobei wir weiterhin zu einer individuellen Vorsorgevollmacht raten, um persönliche Anliegen und Wünsche weitestmöglich zu berücksichtigen.


Sollte es also eine Vertrauensperson geben, die Sie im Falle des Falles wichtige Entscheidungen treffen lassen wollen, errichten Sie bitte eine Vorsorgevollmacht bzw. prüfen Sie eine bestehende. Diese bietet wie bisher den größten Gestaltungsspielraum, auch wenn bestimmte Angelegenheiten eine gerichtliche Genehmigung benötigen. Sie können dabei auch mehrere Personen jeweils für einzelne oder sämtliche Angelegenheiten bevollmächtigen. Die Vollmacht können Sie als Vollmachtgeber jederzeit widerrufen.


Neue Formvorschriften für Vorsorgevollmachten. Aber Achtung, auch bei der Vorsorgevollmacht gibt es neue Bestimmungen! Damit sie gültig ist, ist sie künftig vor einem Notar, einem Rechtsanwalt oder einem Erwachsenenschutzverein höchstpersönlich und schriftlich zu errichten, und sowohl die Errichtung als auch der Eintritt des Vorsorgefalls sind im Österreichischen Zentralen Vertretungsverzeichnis (ÖZVV) einzutragen.


Die neuen gesetzlichen Bestimmungen sind es wert, sich ausführlicher mit ihnen auseinanderzusetzen. Für ein individuelles Beratungsgespräch zur Vermögensweitergabe wenden Sie sich bitte an Ihre Kundenberaterin bzw. Ihren Kundenberater. Bei Interesse stehen Ihnen auch unsere Expertinnen und Experten des Private Banking Wealth Advisory Service gerne für detaillierte Fragen zur Verfügung.

Elke Esterbauer aus dem Bank Austria Private Ban- king Wealth Advisory Ser- vice ist Spezialistin für Fragen der Vorsorge und Vermögensweitergabe.

„Wir raten weiterhin zu einer individuellen Vorsorgevollmacht, diese bietet den größten Gestaltungsspielraum.“

ELKE ESTERBAUER

Dieser Artikel ist erstmals in Ausgabe 1/2018 der perspektiven erschienen.

Das Vier-Säulen-Modell

Vorsorgevollmacht:


wie bisher. Solange man noch voll entscheidungsfähig ist, kann man selbst Vertrauenspersonen zu Stellvertretern wählen.

Gewählte Erwachsenenvertretung:


neu. Eine gemindert entscheidungsfähige Person kann hier – unter der Voraussetzung, dass sie noch fähig ist, die Bedeutung und Folgen einer Bevollmächtigung in Grundzügen zu verstehen – noch selbst festlegen, wer sie vertreten soll.

Gesetzliche Erwachsenenvertretung:


eine ausgebaute Form der bisherigen Vertretungsbefugnis nächster Angehöriger.

Gerichtliche Erwachsenenvertretung:


ersetzt die bisherige Sachwalterschaft, hat sich auf konkrete und jetzt zu erledigende Angelegenheiten zu beschränken. Sie wird angewandt, wenn kein anderer Vertreter vorhanden ist, die Person keinen wählen kann oder will und auch eine gesetzliche Erwachsenenvertretung nicht in Betracht kommt.

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