LEBEN

Vollautomatisch nach New York

Von Gössendorf in den Big Apple. Die steirische PLS Automation punktet mit maßgeschneiderter Automatisierungs- und Steuerungstechnik für Recyclinganlagen, Kühlanlagen und Arzneimittel-Produktionen in aller Welt.

VON Christiane Kaiser-Neubauer

REFERENZ

All diese Industriean- lagen sind mit Steue- rungstechnik von PLS ausgestattet.

Wenn Werner Essl, Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer der PLS Automation, in den kommenden Monaten in seinem Büro südlich von Graz sitzt, wird er sich intensiv mit dem größten Ballungsraum der US-Ostküste beschäftigen. Denn aus der Millionenstadt New York kommt der bislang größte Auftrag in der Firmengeschichte des in der 4.000-Einwohner-Gemeinde Gössendorf beheimateten Automatisierungsspezialisten. „Dort wird eine der größten Recyclinganlagen der Welt gebaut und wir sind mit unserer Steuerungs- und Prozesstechnik sowie der im Haus entwickelten Software dabei“, erzählt Essl. Ende 2020 soll das Recyclingwerk in Betrieb gehen, bis dahin sind dafür bei PLS 20.000 Arbeitsstunden veranschlagt.


Seit sich der Elektrotechnikingenieur Essl im Jahr 2000 selbstständig machte und mit seinem Partner Johannes Brandl die Zwei-Mann-Firma gründete, geht es stetig bergauf. „Ich habe bei Andritz das Handwerk Anlagenbau und Projektgeschäft gelernt. Dort gab es für jeden Handgriff eine Stabstelle, nun kann ich selbst gestalten und unmittelbar den Erfolg meiner Arbeit sehen“, sagt Essl. Mit Engagement und Know-how hat der 59- Jährige seinen Betrieb zur Hightech-Schmiede mit 35 Mitarbeitern und mehreren Millionen Euro Umsatz entwickelt. In den kommenden zwei Jahren wird dieser noch deutlich steigen, allein das Projekt im Big Apple ist ein mehrere Millionen schwerer Auftrag.


Digitalisierung als Umsatzbringer. Als Spezialist für steuerungstechnische Automatisierung von Prozessanlagen, Logistiksystemen und Sondermaschinen bietet PLS ein umfassendes Leistungsangebot. „Bei uns gibt es alles aus einer Hand — von der Planung elektrotechnischer Infrastruktur über

Bediensysteme, die Schaltschrankfertigung und das Software- Engineering bis zur Montage vor Ort sowie Inbetriebnahme und Service“, sagt Werner Essl. Die Prozesse samt notwendiger Software werden maßgeschneidert gemeinsam mit den Kunden entwickelt. Egal, ob Aschesilo oder Kiesaufbereitung, ist eine Produktionsanlage fertiggestellt, muss sie ohne lange Anlaufzeiten funktionieren. Das Geschäft sei deshalb im hohen Maß Vertrauenssache, erklärt der Firmenchef.


Als zuverlässiger Partner konnte sich das Unternehmen über die Jahre einen treuen Kundenstamm in der Pharma-, Papier- und Stahlbranche sowie in der Umwelt- und Prozesstechnik erarbeiten. Der Digitalisierungstrend sorgt seinerseits für Neugeschäft. Die Grazer Marienhütte (ein Stahlerzeuger), der Papierproduzent Sappi und der Anlagenbauer Binder & Co, für den PLS weltweit operiert, sind einige heimische Auftraggeber. „Durch unsere breite Ausrichtung können wir konjunkturelle Schwankungen in einzelnen Branchen gut ausgleichen. Das hilft uns in diesem sehr komplexen Geschäft“, so Essl. Mehr als fünfzig Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Steirer bereits im Ausland. Zuletzt waren die PLS-Elektromonteure und Softwarespezialisten in Südafrika, Russland und den USA im Einsatz. Für einen deutschen Gesundheitskonzern wurde in Gössendorf die Automatisierung der Produktionsanlage für ein Arzneimittel entwickelt.


Nachfolge geregelt. Trotz voller Auftragsbücher setzen die PLS- Eigentümer Essl und Brandl nicht auf unbegrenztes Wachstum. Schließlich sei der Erfolg Beweis für die Stärke des aktuellen Geschäftsmodells. „Wir sind in dieser Unternehmensgröße sehr flexibel, in meinen Augen eine Voraussetzung für sehr gute Dienstleistung wie auch engagierte Mitarbeiter. Das wollen wir uns auch in Zukunft erhalten“, sagt Essl. Die überschaubare Betriebsgröße mit flacher Hierarchie und großen Entscheidungsspielräumen der Mitarbeiter fördere zudem das gute Betriebsklima, weiß der konzernerfahrene Manager. Alle zwei Jahre belohnt die PLS die Mannschaft mit einem mehrtägigen Workshop, zum Beispiel in Amsterdam oder auf Mallorca.


Die Weichen für die Zukunft hat der zweifache Familienvater Essl bereits gestellt. An führende Mitarbeiter gab er Firmenanteile ab, sein Partner der ersten Stunde, Johannes Brandl, sowie sein ältester Sohn Philipp sind seit einigen Jahren als stellvertretende Geschäftsführer und Mitgesellschafter tätig. Werner Essl ist in der Firmenleitung nun für die strategische Zukunftsplanung und das Controlling der laufenden und abgeschlossenen Geschäfte zuständig. Bei Geschäftsreisen gibt er nach jahrzehntelanger Reisetätigkeit mittlerweile gerne seinen Expertenkollegen den Vortritt. Denn heute achtet der leidenschaftliche Golfer bewusster auf seine Life-Work-Balance. Statt gleich nach dem Aufstehen ins Büro zu hetzen, ist das tägliche gemütliche Frühstück zuhause ein Fixpunkt. Im Big Apple schläft ohnehin noch alles

Werner Essl baute nach seiner Konzernkarriere ein eigenes Unternehmen auf.

„Wir sind in dieser Unternehmensgröße sehr flexibel. Das wollen

wir uns auch in Zukunft erhalten.“

Werner Essl

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