MARKT

Die grüne Palette

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Schlechte Information ist der Hauptgrund, warum nicht mehr „grün“ investiert wird.

Das Bank Austria Premium Banking baut eine Kollektion an nachhaltigen Produkten auf – aber was bedeutet das eigentlich?

VON FLORIAN STREB

Viele würden gerne, aber tun es dann doch nicht: Nachhaltiges Investieren ist ein Thema, über das überall gesprochen und geschrieben wird; die tatsächlich angelegten Summen sind aber noch ausgesprochen bescheiden. Ein Grund dafür dürfte sein, dass kaum ein Anleger weiß, was genau einen angeblich nachhaltigen Fonds so umweltfreundlich und ethisch macht, und wie er mit seinem Investment zu einer besseren Welt beiträgt – das ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Studie von Schroders (siehe auch Seite 8). Mehr als die Hälfte der Befragten in Österreich sieht ungenügende Informationen und fehlende Beratung als Grund, dass sie nicht oder nicht in größerem Umfang in nachhaltige Anlagen investieren.


„Als wir den Plan gefasst haben, eine Palette an nachhaltigen Produkten aufzubauen, war deshalb für uns klar, dass Transparenz an erster Stelle stehen muss“, berichtet Martin Mayer, Head of Investment Products. „Was ist drin und was nicht – das muss auf den ersten Blick ersichtlich sein.“ Eine praktikable Definition zu finden ist aber schwieriger, als man denkt: „Wir haben elf Fondspartner mit verschiedenen Ansätzen – manche von ihnen verfolgen intern sogar mehr als einen.“


Schritt eins: Das darf nicht sein. Prinzipiell gibt es zwei Schritte, nachhaltige Unternehmen von nicht nachhaltigen zu trennen. Der erste sind Ausschlusskriterien. Manche sind da wenig umstritten – Hersteller von Chemiewaffen oder Landminen sind zum Beispiel in so gut wie jeder Blacklist zu finden, auch Kohlekraftwerke werden fast immer ausgeschlossen. Kinderarbeit, Menschenrechtsverstöße und Ähnliches sind selbstverständlich ebenfalls tabu. Aber was ist beispielsweise mit Glücksspiel oder Pornografie? Manche Leute sind strikt dagegen, für andere sind sie für die persönliche Veranlagungsentscheidung nicht relevant. Auch regionale Differenzen gibt es: Atomkraft ist in Österreich den meisten ein rotes Tuch, in Frankreich wird sie überwiegend als saubere Energiequelle gesehen.


„Wir haben uns angesehen, was uns wichtig ist und welche Produkte am Markt verfügbar sind, und daraus unsere Mindestanforderungen geschaffen“, erklärt Mayer. „Ausschlüsse können bei einzelnen Fonds aber noch darüber hinausgehen. Als Nächstes stellte sich aber die Frage, was zum Beispiel „Ausschluss von Atomkraft“ konkret heißt: Betrifft das nur die Produktion? Oder auch den Vertrieb? Oder gar alle Nutzer von Atomkraft? „Hier haben wir entschieden, nur die Produktion auszuschließen – auch im Hinblick darauf, dass es um das Hauptgeschäftsfeld eines Unternehmens geht. Uns ist auch wichtig, dass aus Risikogründen immer noch ein gut diversifiziertes Portfolio möglich sein muss“, erläutert Mayer. „Unsere nachhaltigen Investmentprodukte basieren auf dem Ansatz, dass das bestehende Wirtschaftssystem nicht komplett abgelehnt wird, sondern positiv in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung beeinflusst wird. Die Entscheidungen der Investoren und damit die Kapitalströme an den Finanzmärkten werden dabei in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen.“


Schritt zwei: Nur die Braven kommen rein. Ausschlusskriterien anzuwenden alleine reicht dafür aber nicht, fügt Mayer hinzu: „Damit hat man gerade einmal das Schlimmste vermieden.“ Deshalb folgt Schritt zwei: Firmen qualifizieren sich nur, wenn sie in ökologischen und sozialen Fragen besser abschneiden als Konkurrenten in ihrer Branche. „Manche Fonds scheiden hier die Hälfte aus, andere nehmen nur das beste Viertel, auch die Bewertungskriterien unterscheiden sich“, sagt dazu Mayer. „Uns ist wichtig, dass nur Firmen in den Fonds enthalten sind, die in ihrer Branche Vorreiter sind. Es gibt verschiedene Zugänge, das zu bewerten – die Auswahlverfahren des jeweiligen Produktpartners müssen aber schlüssig und nachvollziehbar sein.“

Neben diesem Zugang existiert übrigens auch ein weiterführender Ansatz für nachhaltiges Investieren: Dabei werden nicht nur Aktien der „bravsten“, sondern auch der „schlimmsten“ Unternehmen gekauft – und die Aktionäre nutzen ihre Eigentümerrechte als Hebel, um ein ökologischeres und sozialeres Verhalten der jeweiligen Firma zu erreichen. „Viele Investmenthäuser, zum Beispiel bei Schroders, machen sich aber bei nachhaltigen Fonds als Aktionärsvertreter generell für eine entsprechende Unternehmensführung stark.“


Darüber hinaus gibt es speziell bei Anleihen einen Trend, der noch gezielter nachhaltiges Anlegen ermöglicht: sogenannte Green Bonds. Dabei muss das Unternehmen – oder die emittierende öffentliche Stelle – das eingesammelte Kapital zwingend für umweltfreundliche Investitionen verwenden. Auch für Green Bonds gibt es noch keine allgemeingültigen Definitionen. Dem Feld wird dennoch eine große Zukunft vorausgesagt, viele institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionskassen werden in einigen Jahren vielleicht ausschließlich auf Anleihen mit ökologischem oder sozialem Mehrwert setzen.



Bereit zum Mischen. Auch wenn das Volumen nachhaltiger Investments noch gering ist, ist doch eine stetig wachsende Nachfrage zu spüren. „Privatkunden stellen in der Regel nicht gleich das gesamte Portfolio um, aber immer mehr wollen einmal etwas beimischen“, berichtet Martin Mayer. Neben einem guten Gewissen gibt es auch einen ökonomischen Grund, der für „gute“ Investments spricht: „Wir gehen davon aus, dass solche Unternehmen langfristig erfolgreicher sind, weil sie durch ihr Verhalten für Mitarbeiter und Konsumenten attraktiver sind.“


„Was ist drin und was nicht – das muss auf den ersten Blick ersichtlich sein.“

MARTIN MAYER, BANK AUSTRIA

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Wer nachhaltig wirtschaftet, ist auch für Kunden und Mitarbeiter atrraktiver.

„Uns ist wichtig, dass nur Firmen in den Fonds enthalten sind, die in ihrer Branche Vorreiter sind.“

Martin Mayer, Bank Austria

„Immer mehr Privatkunden wollen ihren Portfolios nachhaltige Anlageprodukte beimischen“

Martin Mayer, Bank Austria

Welchen Nutzen hat es, Geld nach ethisch-ökologischen Gesichtspunkten zu veranlagen?

Wer Kapitalanlagen nicht nur nach finanziellen, sondern auch nach nicht finanziellen Kriterien auswählt, sogenannten ESG-Kriterien, der gewinnt wertvolle Erkenntnisse, um das Vermögen der Kunden langfristig und nachhaltig anzulegen. Diese ESG-Kriterien bewerten, ob ein Unternehmen auf die Umwelt Rücksicht nimmt („Environment“), gesellschaftliche Ziele („Social“) verfolgt und nach einer vorbildlichen Unternehmensführung („Governance“) strebt. Die gute Nachricht ist, dass die Annahme, die Auswahl nach ESG-Kriterien würde die Anlagerendite negativ beeinflussen, unter dem Gewicht gegenteiliger Beweise zusammenbricht. Unsere eigene Forschung hat vielfache Anerkennung auch von Wettbewerbern gefunden und entscheidend zur Umkehrung dieses veralteten Standpunkts beigetragen. Investoren weltweit erkennen heute, dass ESG – auch unter Risiko- und Rendite-Aspekten – funktioniert.

Manuel Brunner, Vice President/Head of Banks Distribution Austria & CEE von DWS

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