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Genf ist ein Zentrum der Uhrenindustrie.

Eine Wirtschaft wie ein Uhrwerk

Trotz hoher Preise florieren die Schweizer Exporte, Kennzahlen vom BIP bis zur Arbeitslosigkeit sind beeindruckend.

Von Florian streb

Von einer Volkswirtschaft wie jener der Schweiz können andere Staaten nur träumen: Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zählt zu den höchsten der Welt, nur Luxemburg und die Kleinststaaten Liechtenstein und Monaco übertreffen die Eidgenossen. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosigkeit unter fünf Prozent.


Erfolgsgeheimnis Tradition. Die Basis für ihren heutigen wirtschaftlichen Wohlstand legte die Schweiz schon vor vielen Generationen; zum Beispiel mit der arbeitsteiligen Uhrenproduktion, die im 17. Jahrhundert startete. Um 1850 setzten gleich mehrere bedeutende Entwicklungen ein: Die Alpen wurden touristisch erschlossen, das moderne Bankwesen bildete sich aus, man baute Eisenbahnen und begann, die Wasserkraft zu nutzen.


Daraus entwickelten sich heutige Stärken der Schweizer Wirtschaft, etwa bei Maschinen, Präzisionsinstrumenten und Schmuckstücken. Weiterhin sehr bedeutend sind auch die Banken und Versicherungen. Über 200.000 Vollzeitstellen bietet der Finanzplatz. Nur in Singapur sind anteilig mehr Menschen im Finanzsektor beschäftigt als in der Schweiz. Der Tourismus steuert zwar nur knapp drei Prozent des BIP bei, ist für viele Alpentäler aber nach wie vor essenziell.


Exporte als Stärke und Gefahr. Die schweizerische Außenwirtschaft kommt mit dem starken Franken gut zurecht: Die Exporte wachsen Jahr für Jahr, zuletzt um glatte drei Prozent auf 304 Mrd. Franken – bei einem BIP von 690 Mrd. Auffällig ist, wie stark die Exporte nach Übersee sind, was die Schweiz deutlich von Österreich unterscheidet. Der starke Außenhandel lässt die Eidgenossen allerdings die Schwankungen in der Weltkonjunktur spüren – und auch die Handelskonflikte zwischen den USA, China und Europa.

schweiz

Viel export nach übersee

Ausfuhren im Jahr 2018

Einwohner:

8,5 Millionen

BIP absolut:

597 Mrd. Euro

BIP pro Kopf:

70.000 US-Dollar

BIP Wachstum:

2,5 % (2018)

Staatsverschuldung:

41,6 % (2018)

Arbeitslosigkeit:

4,7 % (2018)

Quelle: WKO

Expertenkommentar

„Jahrelang haben die Schweizer Unternehmen, welche in der Regel international ausgerichtet sind, unter der Euro-Krise und dem damit einhergehenden starken Schweizer Franken gelitten. Mit viel Elan und klugen Maßnahmen haben sie ihre Gewinnmargen

verteidigt. Heute verfügen sie über gesunde Bilanzen, eine ausgezeichnete Produktpalette und ein kompetentes Management. Die nachlassende globale Konjunktur trifft sie weniger hart als ihre ausländische Konkurrenz. Dies hat auch mit der defensiven Ausrichtung des

Schweizer Aktienmarktes zu tun: Rund 57 Prozent der Schweizer Indexmarktkapitalisierung kommen aus dem Konsumgüter- und Gesundheitssektor. Die Erwartungen für die Gewinnentwicklung dieser Unternehmen sind in den letzten Monaten weitgehend unverändert geblieben, während die Gewinnerwartungen der meisten globalen Unternehmen deutliche negative Revisionen erfuhren. Dafür sind die Bewertungen der Schweizer Titel höher als anderswo. Qualität hat eben einen Preis.“

Anastassios Frangulidis, Chefstratege Pictet Asset Management